Die Geschichte der Kirchengemeinde St. Lorenz

Die Kirchengemeinde St. Lorenz-Lübeck liegt in der gleichnamigen Lübecker Vorstadt vor dem Holstentor. Ihre Bewohner*Innen gehörten im Mittelalter kirchlich zur St.-Petri-Kirche. Als 1597 in Lübeck eine Pestepidemie wütete, der fast 8.000 Bewohner der Stadt zum Opfer fielen, wurden auf Veranlassung des Rates außerhalb des Holstentores ein Armenfriedhof und Pesthöfe zur Unterbringung und Versorgung der Erkrankten eingerichtet. An dieses Ereignis erinnert noch heute das Pestkreuz auf dem Friedhof. Als im 17. Jahrhundert die Bevölkerung vor dem Holstentor auf mehrere Tausend Menschen angewachsen war, entstand der Wunsch nach dem Bau einer eigenen Kirche. 1660 gestattete der Lübecker Rat den Vorstehern des St.-Lorenz-Kirchhofs den Bau einer Kapelle, aber ein eigener Prediger wurde erst 1669 eingesetzt.

Bau der Kirche im neugotischen Stil

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung in der Vorstadt St. Lorenz stark an, so dass sich die Kirche gegen Ende des Jahrhunderts als zu klein erwies. Von 1898 bis 1900 wurde schließlich die jetzige St.-Lorenz-Kirche an der Stelle des Vorgängerbaus errichtet. Dem Geschmack der damaligen Zeit folgend entstand der Bau im neugotischen Stil mit seitlich gestelltem Turm und polygonalem Chor. Die Kirche ist nicht wie sonst üblich nach Osten, sondern nach Westen ausgerichtet. Bemerkenswert sind die Buntglasfenster aus den Werkstätten von Ferdinand Müller in Quedlinburg und Victor von der Forst in Münster, die verschiedene Szenen aus dem Leben und Wirken Christi zeigen. Aus der Vorgängerkirche wurde unter anderem ein Gemälde mit der Opferung Isaaks übernommen, das dem Maler Jordaens zugeschrieben und um 1600 datiert wird. Der Taufengel wurde 1770 von dem Lübecker Bildhauer Dietrich Jürgen Boy geschnitzt und ist der einzige Taufengel in Lübeck überhaupt. Zunächst fand auch er wieder Platz in der neuen Kirche, wurde aber 1912 mit weiterem Inventar aus dem Vorgängerbau an das St.-Annen-Museum abgegeben. Erst 1999 kehrte er wieder als Dauerleihgabe der Hansestadt Lübeck in die St.-Lorenz-Kirche zurück.

Veränderung der Friedhofskultur

Auf dem Friedhof St. Lorenz wurden, nachdem die Pestepidemie abgeklungen war, anfänglich nur ärmere Menschen bestattet. Doch als im Zuge der Aufklärung wegen der hygienischen Folgen Kritik an den Friedhöfen innerhalb der Stadtmauern geübt wurde, ließen sich auch wohlhabende Bürger dort bestatten. Unter anderem ruhen hier der Vater von Emanuel Geibel und die Familie Niederegger. Heute ist der St.-Lorenz-Friedhof einer von vier kirchlichen Friedhöfen in Lübeck.

Von der Kirchengemeinde St. Lorenz wurden folgende Gemeinden abgeteilt: St. Matthäi (1898), Luthergemeinde (1914) und Paul-Gerhardt-Gemeinde (1954).

Dieser Text ist ein verkürzter Auszug aus dem Bildband  „Salz der Erde – Licht der Welt – Evangelisch-Lutherische Kirche zwischen Trave und Elbe“ mit Texten von Dr. Claudia Tanck und Fotografien von Manfred Maronde. Das Buch ist 2016 im Hinstorff-Verlag in Rostock erschienen und kann zum Preis von € 29,99 in den Kirchenkreisverwaltungen in Lübeck und Ratzeburg sowie im örtlichen Buchhandel bezogen werden.

Außenansicht der St.-Lorenz-Kirche Lübeck
Außenansicht der St.-Lorenz-Kirche Lübeck