Der neugotische Altar wurde 1899/1900

von der Firma Kuntzsch aus Wernigerode

am Harz gebaut.

(Aus derselben Werkstatt stammte auch

eine neugotische Kanzel, deren Verbleib

leider unklar ist). Seine ursprüngliche

Form war ohne die Seitenflügel und die

Patella. 1901 fand man den Altar zu klein

und zu schmal und so wurden diese beiden

Teile ergänzt. Die vergoldeten Rosenorna-

mente auf den Seitenflügeln sollen Wasser-

rosen sein als altkirchliches Symbol der

Reinheit (Bernhard). Man war sich damals

der Problematik des in das mittlere

Chorfenster ragende Kruzifix wohl bewusst.

 

 

Es ist aber mehr zufällig, dass der gekreuzigte Christus kaum ohne den

Weltherrscher gesehen werden kann und dies den theologischen Sinn

ergibt:

der erniedrigte und  der erhöhte Christus sind ein Einziger. 1939 wurde

der Altar im Zuge einer Umgestaltung der Kirche entfernt und auf dem

Dachboden eingelagert. 1998 hat die Gemeinde den Altar restaurieren

lassen, seit dem 07.03.1999 dient er wieder in seiner alten Funktion.

Die Antependien stammen aus der Bauzeit und sind somit über 100 Jahre

alt. Sie sind aus Seide und wurden damals in der Diakonissenanstalt in

Altona gearbeitet. Der Altartisch, sowohl der alte als auch der heutige,

wurde aus Kalksandstein von der Lübecker Firma Rechtglaub und Wolff

hergestellt.

 

                       

Das Pestkreuz 

Der Friedhof

Im Jahre 1786 ließ Bernhard von Wickede, der Sohn des Bürgermeisters,

seine Frau Magdalena A. D. Vanselow auf dem bis dahin als Armenfriedhof

geltenden St. Lorenz-Kirchhof bestatten und setzte ihr ein klassizistisches

Grabmahl in Form eines niedrigen Postamentes.

Diese gesellschaftlich mutige Tat wurde zum Vorbild für andere gebildete

Bürger, die dem neusten Zeitgeist der Aufklärung entsprechend sich gegen

die überkommenen Bestattungen in den Innenstadtkirchen entschieden.

Unter ihnen waren der Arzt und Naturforscher J. J. Walbaum, der

Schriftsteller J. K. Rechlin, der Rektor des Katharineums F. D. Behn und der

Bürgermeister J. P. Plessing.

Aus dieser Zeit sind noch einige klassizistische Denkmale in Form von Stelen,

Tumben, Säulen und Obelisken erhalten, die mit aus antiker Tradition

stammenden Ewigkeitssymbolen geschmückt wurden.

Außerdem befinden sich auf dem St. Lorenz-Friedhof die Gräber

des bedeutenden reformierten Pastors Johann Geibel (dem Vater des

Dichters), der Familie Niederegger und von Margarethe Elisabeth Jenisch,

von Karl Martin Schetelig, dem Wegbereiter der Modernen Industrie sowie

die Gruften weiterer berühmter Lübecker Familien.

 

 

Die Gemeinde wächst

Ende des 19.Jahrhunderts wurde der Ruf nach einer
größeren Kirche laut. Immerhin wohnten 1895 schon
etwa 18000 Menschen vor dem Holstentor.
Ende 1895 wurde durch die Synode und den staatlichen
Kirchenrat folgende Lösung beschlossen:
Die St. Lorenz-Gemeinde wird geteilt.
Es sollen zwei Kirchen gebaut werden:
St. Lorenz an alter Stelle neu und St. Matthäi
an der Schwartauer Allee.

     

Die neue St. Lorenz-Kirche

Am 18. November 1898 fand die Grundsteinlegung der neuen Kirche statt. Die

alte Kapelle blieb zunächst noch stehen, die neue Kirche wurde um das alte

Gotteshaus herum gebaut, das erst im Februar 1899

entfernt wurde. Am 6. Mai 1900

am Sonntag Jubilate konnte

die neue Kirche, die im neu-

gotischen Stil errichtet wurde

eingeweiht werden. Sie entstand

unter maßgeblicher Beteiligung

an der Planung von Pastor

Bernhard, Kirchenvorsteher

Senator Bertling und Bausenator

Schaumann und Architekt Krook.

 

 

 

Die St. Lorenz-Kirche zeigt eine durchaus unübliche Bauweise.

Zwar ist sie in Ost-West-Richtung orientiert, der Altar steht jedoch an der

Westseite. Der Eingang befindet such dagegen im Osten.

            

Der barocke Taufengel

Der barocke Taufengel aus der ehemaligen St. Lorenz-Kirche ist von 1770.

Das Kunstwerk, das von dem Lübecker Bildhauer Dietrich Jürgen Boy

stammt, ist der einzige 

Taufengel in Lübeck.

Er hält in der Linken einen

Palmenzweig und in der Rechten

einen Kranz zu Einsetzen der

Taufschale. Der Engel wurde

1912 mit Resten des Inventars

aus der abgerissenen Kirche

in das St.-Annen-Museum

gebracht.

 

 

Seit dem 1.Advent 1999 hängt er als Dauerleihgabe der Hansestadt Lübeck

in dieser Kirche.

          

Der neugotische Altar

Die Geschichte der Kirche

 

Ev. Luth. Kirchengemeinde Lübeck

 

Kirchengemeinde St. Lorenz Lübeck

Die St. Lorenz-Kirche, die auch dem Lübecker Stadtteil ihren Namen gab,

verdankt ihre Entstehung einer sehr unerfreulichen Tatsache:

der Pestepidemie des Jahres 1597.

Der damalige Dompastor, Magister Joachim Dobbin, berichtet von

"einne geswinde und gefarlike pestilenze",

einer gefährlichen Pest, der fast 7000 Bürgerinnen und Bürger zu Opfer fielen.

Zum Teil blieben Kranke und Tote sogar auf den Strassen liegen.

Diese Tatsache veranlasste schließlich den Rat der Stadt, außerhalb des

Holstentores einen neuen Kirchhof als Armenfriedhof und ein Pesthaus

bauen zu lassen.

 

 

 Wie alles anfing - Die alte St. Lorenz-Kirche 

Das Pestkreuz, das neben dem Eingang

er heutigen Kirche steht, gibt Zeugnis

von dem damaligen Geschehen. In der

Inschrift sind auch vier Vorsteher genannt,

die mit der Leitung des Friedhofes und des

Pesthauses betraut wurden.

Das Pestkreuz stellt eine der älteren

freistehenden Plastiken Lübecks dar.

Bis 1785 konnte man über der Kirchhofspforte

die Inschrift lesen:

 

"Up S. Lorenzi Dag ist disser Karkhoff angefangen zu bowen,

davon he de Namen hefft, dat he S. Lorenz genömet werdt."

 

  

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