Liebe Gemeinde


Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

am 1. März beginnt mit dem Aschermittwoch die christliche Fastenzeit. Sie endet mit dem Osterfest. Ein Aspekt des Fastens ist in vielen Religionen die Ernährung. Fastende verzichten für eine begrenzte Zeit auf den Verzehr von Fleisch, Alkohol und Genussmitteln. Für die christliche Tradition macht es dabei keinen Unterschied, ob die Sonne auf- oder untergegangen ist. Das Fasten gilt 24 Stunden am Tag. Das christliche Fasten bezieht sich auf die 40 Tage, die Jesus in der Wüste verbracht hat. Es ist in der Passionszeit eine Vorbereitungszeit auf das Osterfest.

Fasten betrifft den ganzen Menschen. Darum geht es auch um Verzicht in weiteren Bereichen. In der christlichen Tradition entstanden nach und nach Fastengebote. Die Reformatoren betonten dazu im Gegensatz, dass man mit dem Fasten nicht das Wohlwollen Gottes erreichen kann. Demonstrativ fand als Folge dieser neuen Ansicht am ersten Fastensonntag im Jahr 1522 in der Schweiz das Züricher Wurstessen statt.

In einer Zeit, in der in den Industrieländern Vieles stets verfügbar ist, bekommt das Fasten für viele Menschen eine neue Bedeutung. Die Folge der unbegrenzten Sättigung für die Menschen in den Industrienationen auf die Umwelt unseres Planeten lassen Verzicht in einem neuen Licht erscheinen. Die Gruppe der Menschen, die aus Umweltgründen auf Fleisch oder komplett auf tierische Produkte verzichten, wächst. Die Anzahl der Menschen, die das zeitlich begrenzte Fasten in der Passionszeit als eine freiwillige spirituelle Erfahrung zur Lebensgestaltung nutzen, wächst auch.

Evangelisches Fasten ist immer freiwillig. Die Fastenden entscheiden selbst, worauf sie in der Fastenzeit verzichten wollen. Die Aktion „7 Wochen ohne“ oder „7 Wochen anders leben“ vom Verein Andere Zeiten unterstützt Menschen, die 7 Wochen auf eine schädliche Gewohnheit verzichten bzw. sich auf Wesentliches besinnen wollen. „Augenblick mal! Sieben Wochen ohne sofort“ zeigt eine Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren.

Ich wünsche Ihnen gute Erfahrungen in der Passionszeit und danach 50 fröhliche Tage bis zum Pfingstfest.

Ihre Pastorin

Margrit Kehring-Ibold