Pastor Rolf Martin

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten!

„Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist`s möglich, so viel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: ‚Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.’ Vielmehr, wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12, 17-21)

Rache ist süß.

Liebe Gemeinde, eine beträchtliche Anzahl von Leuten denkt so – und empfindet so. Und ich gebe ehrlich zu, dass meine ersten Impulse auch oft in eine solche Richtung gehen: Wenn mir etwas angetan wird, dann soll es zurückgezahlt werden. Wenn jemand mir wehgetan hat, dann soll auch ihm wehgetan werden …

Und mit solchen ersten emotionalen und eben auch aggressiven Impulsen stehe ich nicht allein. Da scheint es vielen so zu gehen – die dann allerdings weiter gehen wollen als ich. Es gibt – wie heutzutage für alles –  Internetseiten mit Rachevorschlägen.

Man kann dort einschlägige Tipps finden für genüssliche Rache: „Schütte deinem Feind Milch in den Tank! Fülle seinen Briefkasten mit einem Hundehaufen! Ruf mitten in der Nacht beim Pizzaservice an, bestell auf seinen Namen und an seine Adresse eine teure Pizza.“

Solche und auch andere Tipps werden da veröffentlicht. Und es wird versprochen:  „Du wirst die Rache wahnsinnig genießen. Nichts auf der Welt macht dich so zufrieden wie das. Aber pass auf, dass dir niemand auf die Schliche kommt. Sei vorsichtig. Handle nicht spontan. Plane deinen Rachefeldzug von langer Hand. Ruiniere deine Feinde! Mach es richtig professionell.“

Rache ist gefährlich.

Denn, liebe Gemeinde – oft entsteht ein beträchtlicher Schaden: an Sachen, am Leib und an der Seele des Menschen, gegen den sich die Rache richtet. Gefährlich ist die Rache auch für den, der sie ausübt. Und zwar nicht nur weil man ihm möglicherweise doch auf die Schliche kommt, und dann auf die Rache eine Strafe folgen kann, wenn er sich strafbar gemacht hat: eine Geldstrafe – oder Gefängnis – oder gemeinnützige Arbeit, je nachdem. Dann hat der „Genuss der süßen Rache“ schnell  ein Ende.

Aber nicht nur das, liebe Gemeinde. Gefährlich ist die Rache auch für die Seele des Rächers. Denn wenn man den Rachegelüsten freien Lauf gibt und andere zu beschädigen versucht, beschädigt man sich selbst. Gewalt, davon bin ich fest überzeugt, hinterlässt nicht nur in den Opfern, sondern auch in den Tätern eine seelische Wunde, die nicht so leicht heilbar ist.

Gefährlicher noch wird Rache für das Zusammenleben. Stellen Sie sich vor, wohin eine Gemeinschaft kommt, wenn das Gesetz der Rache herrscht. Stellen Sie sich vor, wie es in unserer Stadt – in ihrer Gemeinde zugehen würde, wenn jede Kränkung, jede Enttäuschung, jede Ungerechtigkeit dazu führen würde, dass etwas „heimgezahlt“ wird.

Dann könnte man froh sein, wenn der Alte Spruch gilt: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ und nicht wie es heut ja eher normal zu sein scheint: „beide Augen um ein Auge oder Alle Zähne für einen Zahn“. Wo das Gesetz der Rache befolgt wird, da bleiben am Ende lauter Zahnlose und lauter Blinde zurück.

Darum, liebe Gemeinde, gibt es für mich viele Gründe, warum ich nicht auf meinen ersten Impuls – nach Rache – höre – sondern auf andere – christliche Gedanken. Sie haben zu tun mit dem, was Jesu Botschaft ist und mit dem, was der Apostel Paulus sagt. Lasst uns noch mal darauf hören, was er uns Christen und Gemeinden an Vorschlägen macht, wie wir mit Bösem und Verletzungen umgehen möchten:

 „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist`s möglich, so viel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: ‚Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.’ Vielmehr, wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Feurige Kohlen auf dem Haupt, liebe Gemeinde, klingt fast so, als würde Paulus hier auf eine Rache mit Nachbrenner setzen würde. Doch das passt in seine Argumentation nicht, denn er will den Kreislauf der Rache und des Bösen durchbrechen. Er will dass es nicht zu Seelischen Wunden kommt. Vielleicht kann man das mit dem Feuer dann so erklären: Möglicherweise hat Paulus einen alten ägyptischen Brauch gekannt: Wer sich schämte für etwas, was er getan hatte, der lief mit einem Becken voll glühender Kohlen auf dem Kopf herum. Wie lange, wissen wir nicht. Lange kann man das sicher nicht aushalten. Dass Scham etwas mit Feuer zu tun hat, wissen wir allerdings immer noch. Manchmal werden wir schamrot. Es wird uns ganz heiß. Wir spüren, dass es nicht recht war, was wir getan haben. Wir schämen uns.

Wir werden zum Glück niht im Unklaren gelassen über ein alternatives Handlungskonzept:

Tu etwas, was deinen Feind überrascht, schlägt Paulus vor. Etwas, womit er ganz und gar nicht gerechnet hat. Wie zum Beispiel, wenn er Durst hat, lass ihn nicht dursten, sondern gib ihm etwas zu trinken. Dann wirder vom Guten überrascht. Er wird dankbar sein und sich vielleicht schämen, weil er erkennt, dass du dich nicht zu einem Feind machen läßt – und er wird ablassen von seiner Aggression gegen mich.

Soweit es also an dir liegt, sagt der Apostel Paulus also, suche den Frieden. Ja, suche ihn aktiv. Nicht, indem du zurückschlägst. Auch nicht, indem du alles laufen lässt. Nicht, indem du zurückspuckst, und auch nicht indem du alles herunterschluckst. Nein, mische dich ein, so phantasievoll wie möglich. Tu deinem Gegner etwas Gutes – etwas, was dem Frieden dient. Und du wirst sehen, wie Du dich veränderst und deine Veränderung in Dein Umfeld hineinwirkt. [Beispiele: An dieser Stelle werde ich kurz in freien Worten die Geschichte – der Omri-Foundation in Palästina erzählen http://nofmeshutaf.org/en/about-omri/ – die Geschichte der Juden Amiram und Tilda Goldin, die ihren Sohn Omri bei einem Bombenattentat verloren sich aber nicht an die Arbeit der Rache, sondern mit arabisch muslimischen Freunden einen Weinberg des Friedens schufen, den jüdische und arabische Schulkinder gleichermassen bearbeiten. – oder die Geschichte von Michael Lapsley vom Institut for healing of Memories … http://healing-memories.org/ oder Buch Michael Lapsley, Narben der Apartheid. Pastor Lapsley war schon nach dem Ende der Apartheid in Südafrika wohl eines der letzten Briefbombenopfer, aber er arbeitet durch sein Institut nicht an Rache sondern an Versöhnung – bei ihm ist die erkenntnis besonders stark, dass auch der Täter durch seine Gewalttat seine Seele vergiftet, und für die Zukunft es nichts Gutes bedeutet, wenn das gift nicht ausgespien und die Wunde nicht geheilt werden kann, – oder die Fragen, die Herr Becker Trump und Clinton im letzten TV „Duell“ gestellt hat – einfach durch eine Postitive Frage zumindest für einen Augenblick die Welt verändern … (https://www.welt.de/politik/ausland/article158654407/Die-letzte-Zuschauerfrage-bringt-den-einzigen-Lichtblick.html)  , oder die Geschichte von der älteren Dame … die ihre eigenen bösen Gedanken mit gutem Verhalten überwindet … siehe am Ende.]

 

Liebe Gemeinde!

Sie haben es gehört und können es sich nun sicher vorstellen. Feindschaft zu überwinden ist ein sehr befriedigendes Gefühl. Ein viel Schöneres als sich zu rächen. Und selbst wenn beim Gegner keine Veränderung spürbar ist ergibt unser „Gutes-Tun“ vor Gott dennoch einen besonderen Sinn:

Wir haben den Aggressionszirkel durchbrochen. Und das muss nicht nur auf der großen Weltbühne passieren, sondern kann auch im Kleinen bei Ihnen zu Hause gelingen. Den Aggresionszirkel, durchbrechen. Den Kreislauf der Feindschaft oder der Feindseligkeit überwinden durch das „Tun des Guten“.

Darum, liebe Gemeinde schlage ich vor: Lassen Sie uns im Internet eine neue Seite aufmachen, eine Seite mit Ideen für die Überwindung von Feindschaft, besser: mit Erfahrungsberichten, Geschichten, Tipps. Bestimmt haben Sie persönlich bereits Erfahrungen mit dem Tun des Guten gemacht. Manches ist gelungen, manches ist vielleicht misslungen. Der Versuch war es trotzdem wert. Feindschaft überwinden, das ist eine echte Herausforderung.

Überwinde die Feindschaft! Überwinde deine feindseligen Gedanken mit dem Tun des Guten. Wer dazu Erfahrungen, Tipps oder Ratschläge hat, den lade ich ein, sie aufzuschreiben und mir zu geben. Wenn es möglich ist, stelle ich das auch ins Internet, zumindest in meinen Blog. (https://blickwexxel.com/) Es ist wichtig, dass wir einander gute Beispiele dafür erzählen. Es ist nötig, dass wir einander ermutigen zum Frieden. Und dass wir unser Erfahrungen teilen.

Amen.

 

Pastor Rolf Martin

Predigt über Römer 12,17-21

 

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Inspiriert auch durch eine Internetpredigt von Pastorin Gabriele Koenigs aus dem Jahr 2006