Die Krippe in der St. Lorenz-Kirche


In Ihren letzten Lebensmonaten sprach meine Mutter, damals 89 und seit Jahren im Jochen-Klepper-Heim zu Hause, häufig über ihre letzte Ruhestätte. Sie wünschte sich ein Urnengrab unter einem großen Baum. Die Natur in ihrer Vielfalt und Kraft hatte sie immer beeindruckt, und sie fühlte sich ihr nun noch deutlicher zugehörig.

Ein Besuch des St. Lorenz-Friedhofs, im Rollstuhl, begleitet von einem ihrer Söhne, überzeugte sie, dass ein Platz im Efeufeld unter der hohen Buche richtig für sie sein würde. Sie freute sich über den Zusammenklang von Kirche, Friedhof und damals von der Diakonie verwalteter Bestattungskultur.
Meine Mutter verstarb am 20. Dezember 2008. Die Trauerfeier und Beisetzung der Urne fand am 10. Januar 2009 in der St. Lorenz-Kirche statt. Frau Pastorin Kehring-Ibold leitete den Gottesdienst und deutete in ihrer Ansprache eine Nähe der Verstorbenen zu Wesen und Wirken von Maria, der Mutter Gottes, an. Eine Frau, die in unsicheren Zeiten mit Geduld und Zuversicht 10 Kinder zur Welt brachte und großzog, brauchte nicht selten himmlischen Beistand und die Geduld einer Maria.
Übrigens wurde zur Trauerfeier ein Foto der von Herrn Timpe so einfühlsam platzierten und fotografierten kleinen Marienfigur, die unsere Mutter einstmals geformt hatte, in jedes Programm gelegt.

Was wünschte sich die St. Lorenz-Kirche nun von ihr, der Verstorbenen, nach der Kollekte? Pastorin Kehring-Ibold: „Eine Weihnachtskrippe!“

Ein wunderbarer Gedanke, da unsere Mutter Krippen liebte, früher selbst Krippenfiguren aus Ton formte und vor Jahren von einer Israel Reise Krippen aus Olivenholz mitgebracht hatte. Ich machte mich alsbald auf die Suche, betrachtete im Internet die verschiedensten Krippen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands und Österreichs, historische Krippen, wahre Wunder der Schnitzkunst. Ich las über die Geschichte der Krippe, lernte verschiedene Materialien kennen, verglich die Preise und schickte gelegentlich Pastorin Kehring-Ibold einige Bilder zu, um ihre Meinung zu erfahren.

Die Krippe sollte komplett die Weihnachtsgeschichte darstellen, Wärme und Anmut ausstrahlen und eine sichtbare, mittlere Höhe haben. Wie viele Stunden und Tage ich spät abends am PC auf der Suche nach der idealen Gruppe zugebracht habe? Sehr viele, Wochen! .
Dann, eines Abends, kam der Durchbruch: Ich stieß auf das Bild mehrerer schön profilierter Holzfiguren, es waren die drei Könige. Sie gehörten zu einer figurenreichen, eindrucksvollen Krippe aus Olivenholz. Als ich weiter recherchierte, fand ich den Anbieter heraus, Pastor Detlev Haupt aus Halle. Es entwickelte sich schnell eine Korrespondenz, wodurch ich erfuhr, dass diese Krippen in einer Behindertenwerkstatt in Bethlehem hergestellt wurden. Nach weiteren Informationen dann die Sicherheit: Diese Krippe sollte es sein, sie entsprach allen Wünschen. Durch das ausgezeichnete Preis-Leistungsverhältnis konnten sogar zwei weitere Figuren, schöne Engel, für das Jochen-Klepper-Haus bestellt werden.

Im November 2009 traf die Sendung ein.

Herr Timpe ließ mich das Paket öffnen: Eine Figur nach der anderen sah das Tageslicht, und ich war entzückt von jeder einzelnen, vofran der handwerklichen und künstlerischen Qualität. Große Freude!
Die Krippe wurde in einem Adventsgottesdienst vorgestellt und willkommen geheißen, ebenso in der folgenden Ausgabe des Kirchenbriefes dargestellt. Die Krippe – die Weihnachtsbotschaft- möge weiter mit Freude angesehen, erlebt, gepflegt, geschätzt und erinnert werden, im Sinne der Stifterin.

Text: Frauke Vosshage, Fotos: Björn von Mateffy