St. Lorenz Friedhof


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Anlässlich einer großen Pestepedemie im Jahre 1597, der mit ca. 8000 Toten fast ein drittel der Lübecker Bevölkerung zum Opfer fiel, beauftragte der Rat der Stadt vier Bürgervorsteher mit der Gründung und Verwaltung eines Pestfriedhofes außerhalb der Stadt vor dem Holstentor. Am Tag des heiligen Laurentius, dem  10. August, wurde der Friedhof feierlich eingeweiht. Daran sowie an den Bau eines Hauses zur Pflege der Kranken erinnert noch heute das Pestkreuz aus Gotländer Kalkstein. Der St. Lorenz-Friedhof ist damit der älteste erhaltene Friedhof der Stadt Lübeck und der Namensgeber für die gesamte Vorstadt.

Auch nach dem Bau einer kleinen Kirche wurden hier nur ärmere Leute bestattet. Die angesehenen Bürger der Stadt ließen sich in den Innenstadtkreisen beisetzen. Erst als sich ab 1770/80 im Zuge der Aufklärung moderner Ärzte gegen diese zu höchst unhygienischen Verhältnissen führenden Tradition aussprachen, begannen aufgeklärte Bürger, sich über dieses Privileg betrachteten Bestattungspraktiken hinwegzusetzen.

Als erster ließ der Sohn des Bürgermeisters, Bernhard von Wickede, seine Frau Magdalena A. D., geb. Vanselau, auf diesem Armenfriedhof beisetzen und setze ihr ein im klassizistischen Stil gefertigtes Grabmal in Form eines niedrigen Postamentes aus Sandstein (heute ebenso wie einige andere auf dem Vorwerker Friedhof zu finden). Diesem Beispiel folgten weitere bedeutende Bürger der Stadt.

Einige der klassizistischen Grabmale aus dieser Zeit sind erhalten. Meist haben sie die Form von Obelisken, Stelen oder Säulen und sind mit aus der Antike stammenden Ewigkeits- und Unsterblichkeitssymbolen geschmückt.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der St. Lorenz-Friedhof vollständig belegt und wurde daher um einen Teil des Pesthausgartens erweitert. Er steht seit 1977 zusammen mit der im Jahre 1900 errichteten Kirche unter Denkmalschutz.